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Naturgesetze beschreiben keine Gesellschaft
Eintrag von Robert John, 27. November 2008
Wirtschaftswissenschaften würden an Universitäten gelehrt, als seien sie Naturwissenschaften, schreibt Yves Wegelin in der
Wochenzeitung. Mit mathematischen Modellen werde so getan, als gelte es, unumstößliche Naturgesetze zu beschreiben. Dabei zählt die Wirtschaftswissenschaft zu den Sozialwissenschaften, weil sie wirtschaftliche Zusammenhänge in einer Gesellschaft untersuchen soll.
Soziologiestudenten würde sich in Vorlesungen von Emile Durkheim bis Jürgen Habermas durch widersprüchliche Theorien kämpfen. Studenten der Wirtschaftswissenschaft würden sich durch die Lehrbücher "rechnen", schreibt Wegelin. Widersprüchliche Argumente gebe es darin so gut wie keine. "Und so wurde mir mit jedem Semester eines immer klarer: Auch wenn die ÖkonomInnen nicht müde werden, die Effizienz des Wettbewerbs zu preisen - bei sich selbst wollen sie den Wettbewerb nicht."
Ein vernünftiger Sozialwissenschaftler würde noch anfügen, dass es ihm darum geht, eine gute Gesellschaft immer wieder neu zu erfinden. Neoliberalen Ökonomen würde er vorwerfen, dass sie sich an die Vorstellungen des Menschen vom rationalen Nutzenkalkulierer klammern, weil der Mensch in dieser Ideologie für den Kapitalismus wie geschaffen erscheint.
Yves Wegelin: Wirtschaftslehre. Wer kauft die Kartoffeln?
Wochenzeitung, 27. November 2008, Nr. 48