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Presseschau

Hier finden Sie täglich eine kleine Anzahl beachtenswerter Artikel, in der Hoffnung, dass unsere Textempfehlungen etwas zur Steigerung der Empfindungsfähigkeit der Menschen untereinander beitragen.

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Eintrag von Robert John, 9. April 2009

Bisher mehr als 1200 Autoren und Verlage verteidigen die "Publikationsfreiheit". Tatsächlich geht es dabei um Macht und Geld. Denn die Unterzeichner des Appells "Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte" (März, 2009) wollen in erster Linie den Zugang zu ihren Texten kontrollieren.

Damit stehen sie einem Unternehmen in nichts nach, das in naher Zukunft ganz legal als größter Verleger und Buchhändler der Welt die Preise diktieren wird.

Robert Darnton: Im Besitz des Wissens
Le Monde Diplomatique, 3. April 2009, Nr. 8852

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Heidelberger Appell
26.04.09 [20.34]
Der Heidelberger Appell

Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt und nachhaltig bedroht.

Noch nie war es für Autoren so leicht, selbstbestimmt zu publizieren.

International wird durch die nach deutschem Recht illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistiges Eigentum auf Plattformen wie GoogleBooks und YouTube seinen Produzenten in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen entwendet.

Google Books ist auf dem besten Weg, alle Rechte für die Publikation der Bücher zu erhalten. Dazu erzielt das Unternehmen dieser Tage eine Vereinbarung mit den Rechteinhabern. Für Youtube hat Google ebenfalls Vereinbarungen mit den Rechteinhabern getroffen. In Deutschland verhandelt die Gema gerade mit Google über einen neuen Vertrag.

Gleichzeitig propagiert national die "Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen" (Mitglieder: Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gesellschaft, Max Planck-Institute u. a.) weitreichende Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheit, deren Folgen grundgesetzwidrig wären.

Die im Grundgesetz festgeschriebene Presse- und Publikationsfreiheit sowie die Freiheit der Wissenschaft wird durch Open Access nicht beeinträchtigt.

Autoren und Verleger lehnen alle Versuche und Praktiken ab, das für Literatur, Kunst und Wissenschaft fundamentale Urheberrecht, das Grundrecht der Freiheit von Forschung und Lehre sowie die Presse- und Publikationsfreiheit zu untergraben. Es muß auch künftig der Entscheidung von Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern, kurz: allen Kreativen freigestellt bleiben, ob und wo ihre Werke veröffentlicht werden sollen. Jeder Zwang, jede Nötigung zur Publikation in einer bestimmten Form ist ebenso inakzeptabel wie die politische Toleranz gegenüber Raubkopien, wie sie Google derzeit massenhaft herstellt.

Google hat viele Millionen Bücher eingescannt und damit Fakten geschaffen. Das kann man durchaus als Zwang und Nötigung bezeichnen. Rechteinhaber erzielen allerdings dieser Tage eine Einigung mit Google (siehe oben). Warum also die Aufregung? Künftig ist es außerdem die Entscheidung jedes Autors, wie und wo seine Texte publiziert werden. Die "Nötigung zur Publikation in einer bestimmten Form", die Verleger in diesem Heidelberger Appell beklagen, legen einige ihrerseits gegenüber in ihren Verlagen schreibenden Autoren an den Tag. Stichwort: Knebelverträge.

Noch nie in der Geschichte war die Zahl der Publikationen, von Büchern, Zeitschriften und elektronischen Veröffentlichungen so groß wie heute, war die Entscheidungsfreiheit der Autoren in einem so hohen Maß gewährleistet.

Richtig, aber der erste Satz dieses Appells sagt irgendwie das ganze Gegenteil.

Die "Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen" will die Autoren dagegen auf eine bestimmte Publikationsform verpflichten. Dies dient nicht der Verbesserung der wissenschaftlichen Information.

Vermutlich ist das Gegenteil der Fall. Open Access dient zur Verbesserung der wissenschaftlichen Information.

Die Unterzeichner appellieren nachdrücklich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder, das bestehende Urheberrecht, die Publikationsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre entschlossen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Die Politik steht in der Pflicht, den individualrechtlichen Ansprüchen, die sich an die Herstellung von künstlerischen und wissenschaftlichen Werken knüpfen, auf nationaler wie internationaler Ebene Geltung zu verschaffen. Die Freiheit von Literatur, Kunst und Wissenschaft ist ein zentrales Verfassungsgut. Verlieren wir sie, verlieren wir unsere Zukunft.

Da kann man nur hoffen, dass die Bundesregierung und die Regierungen der Länder intelligenter als die Unterzeichner dieses Appells sind. Denn die Freiheit von Literatur, Kunst und Wissenschaft ist ein zentrales Verfassungsgut. Verlieren wir sie, verlieren wir unsere Zukunft.

RJ




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