Der Beweis: schlechtes Radio in Sachsen
Gemeinhin halte ich tapfer dagegen, wenn mir erzählt wird, wie schlecht es uns doch hier im Osten geht. Bei einem Thema jedoch fehlen mir jegliche Argumente dahingehend, dass auch Sachsen sein Gutes hat: Radiosender.
Reise ich durch andere deutsche Bundesländer, stelle ich - zwar oft, aber immer wieder verblüfft - fest: mein Autoradio kann mehr als labelfinanzierte Hit-Rotationen, "Irgendwer und die Morgenfuzzies", "Gute-Laune-Gesabbel", "Das-Wichtigste-der-Welt-in-5-Sekunden" oder den immer gleichen Klassik-Senf zu dudeln. Es gibt sie: die guten Radiostationen! Nur leider nicht hier. Spötter meinten, der Erfolg der NPD resultiere nicht aus Protesten gegen die Politik, sondern aus Widerstand gegen die unerträgliche Ohrenverschmutzung durch einheimische Radiosender.
Axel Brüggemann machte sich für die Welt am Sonntag auf den Weg: 15 Bundesländer, 19 Stunden, 1632 Kilometer, 34 Sender. Hätte er mich vorher gefragt - die paar Kilometer durch Sachsen hätte er sich erspart. (Welt am Sonntag, Lesezeit ca. 7.30 min)
Falsche Stifte in Afghanistan
Alles ist eben relativ - Unregelmä�igkeiten sind nicht immer gleich Unregelmä�igkeiten. Und so kommt es, dass Karsais Konkurrenten sich zwar über Unregelmä�igkeiten bei der Wahl in Afghanistan monierten, aber dennoch keine Wiederholung fordern. Martin Gerner schreibt aus Kabul über "Geduld und Spucke", die in der Entscheidungsfindung nach der vorgestrigen Wahl wohl entscheidende Rollen spielen könnten.
Geduld für die Zeit bis zum 30. Oktober - gelegentlich als Tag der Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentenwahl genannt. Spucke - weil damit die Markierung der Stifte entfernt werden konnte, mit der alle Jene gekennzeichnet wurden, die ihre Stimme abgaben. Zumindest das Geduldsproblem ist weltweit nicht beispiellos: Martin Gerner zitiert Ray Kennedy von der Wahlkommission. "Ich kann mich an eine Wahl in den USA erinnern, bei der das Endergebnis auch lange auf sich hat warten lassen". (Frankfurter Rundschau, Lesezeit ca. 2.30 min)
Volk abstimmen lassen - ja. Volksabstimmung nein.
In jüngster Zeit mehren sich die Stimmen, die danach rufen, bei konkreten Entscheidungen über "was-auch-immer" dem Volk eine direktere Einmischung zuzugestehen. Volksabstimmungen als häufiger zu verwendendes Element der politischen Entscheidungsfindung werden gefordert. Andere sehen gerade darin eine Gefahr für die Demokratie. Warum eigentlich? Wenn - zur Wahl zusammengetrommelt - das Volk immer wieder abstimmen soll: was ist dann so schlimm an einer Volksabstimmung?
Jacques Schuster, früherer Autor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und des Tagesspiegels, seit 1998 Leiter des Ressort Au�enpolitik bei der Welt, versucht sich im politischen Feuilleton des Deutschland Radios an einer Erklärung. (DeutschlandRadio, Lesezeit ca. 3.30 min)
Der Mogul von Istanbul in der EU
Die Financial Times Deutschland porträtiert Ahmet Zorlu, einen türkischen Unternehmer, der mit dem Export von Textilien und Fernsehern in das westliche Europa wohlhabend und für viele seiner Landsleute zum Vorbild geworden ist. Für ihn ist die Türkei längst in Europa integriert.
"Nur wenige Europäer wissen, dass die Türkei ein modernes, demokratisches Land ist." Kerstin Friemel schreibt in einer kurzen türkischen "vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte" über den Glaube an die eigene Kraft, das Hoffen auf eine Trennung von Wirtschaft und Politik und die Angst vor islamistischem Fundamentalismus. (Financial Times Deutschland, Lesezeit ca. 7 min)
