Weltweit besteht das grö�te Gefälle zwischen Arm und Reich in Südamerika. Die Schere ist dort viel weiter geöffnet als bspw. in den USA. Gilles de Staal betrachtet nach einem Jahr die Erfolge Lula da Silvas in Brasilien. Angetreten war er mit ehrgeizigen Zielen: Agrarreform, Selbstversorgung des Landes mit Nahrungsmitteln, staatliche Investitionslenkung, soziale Integration oder partizipative Demokratie. Das grö�te Problem bestünde in der monopolistischen und egalitären Struktur der brasilianischen Gesellschaft. Der Staatsapparat würde sich teilweise mit quasifeudal organisierten Klientelgruppen decken, "die ganze Bundesstaaten, Städte oder Monopolbranchen beherrschen, die Gemeingüter zu ihrem privaten Profit ausschlachten und sich ihre Unterstützung der Bundesregierung - oder auch ihre Opposition - bar bezahlen lassen." (zum Artikel, Le Monde Diplomatique, Lesezeit ca. 9 Minuten)
Für den Blick auf die USA ist heute Paul Krugmann (Prof. für Wirtschaftswissenschaften in Princeton mit Aussichten auf einen Nobelpreis) zuständig. Er zählt zu den wichtigsten kritischen Kolumnisten des Landes und schreibt regelmä�ig für die New York Times. Er versucht zu zeigen, dass von Steuersenkungen vorrangig die Reichen profitieren. Die Theorie, dass dies letztendlich auch den �rmeren zugute käme, sei lediglich zynische Ideologie. In der aktuellen Ausgabe der amerikanischen Wochenzeitschrift The Nation belegt er mit neuen Zahlen, dass sich in den USA in den letzten Jahrzehnten die Chancen auf sozialen und ökonomischen Aufstieg drastisch verringert hätten. Soziale Mobilität würde immer schwerer. "In modern America, it seems, you're quite likely to stay in the social and economic class into which you were born." (zum Artikel, The Nation, engl., Lesezeit ca. 5 Minuten)
Jan Philipp Reemtsma (Gründer und Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung) hat am 26. November den Heinz-Galinski-Preis erhalten. In der Dankesrede setzt er sich mit dem Antisemitismus und der Rede Hohmanns (vgl. Presseschau vom 1. November 2003) auseinander. Manchmal können Tabus sogar einen Nutzen haben, allerdings nur, wenn man sonst nichts hat. "Auf lange Sicht bewirken sie keine Einsichten, sondern nur Resistenzen. Warum man eigentlich Hohmann ausschloss, was denn eigentlich an seinen �u�erungen nicht erträglich war - darüber wurde der normale Nachrichtenkonsument seitens der hauptamtlich damit befassten Politikerinnen und Politiker nicht belehrt, höchstens hier und da seitens einiger journalistischer Kommentare." (zum Artikel, Le Monde Diplomatique, Lesezeit ca. 7 Minuten)
Diesen Text von Jan Philipp Reemtsma habe ich deshalb empfohlen, weil die CDU in diesen Tagen von diesem Vorfall ein weiteres Mal eingeholt wird. Vera Lengsfeld (CDU-Bundestagsabgeordnete) bemerkt nämlich in der aktuellen Ausgabe der Jungen Freiheit (hier, danke für den Hinweis im Kommnetar), dass Hohmanns Ausschluss aus der CDU-Fraktion lediglich das Ergebnis einer "inszenierten Treibjagd" sei, wobei die CDU einer Medienkampagne nachgegeben habe. Ulrike Putz schreibt dazu im Spiegel Online: "Lengsfeld, die versucht hatte, Hohmann zum freiwilligen Rückzug zu bewegen und letztendlich für seinen Rauswurf stimmte, deutet an, die CDU hätte sich bei gründlicher und unvorgenommener Exegese der 'Tätervolk'-Rede womöglich gegen den Fraktionsausschluss ausgesprochen." (zum Artikel, Spiegel Online, Lesezeit ca. 3 Minuten)
