Bush kam, sah und verschwand
Vor lauter Bush, Bushisten, Bushismen, Bushianer und Bushiaden dürfte eine Presseschau schwierig sein. Viel geschrieben, viel gesagt und viel gelächelt - der US-Präsident George W. Bush ist durch Deutschland und seinen Blätterwald gerauscht. "Keine Macht der Welt kann uns trennen", hat er zu Beginn seiner Reise gesagt. Stimmt nicht, weil Deutschlands Sicherheitsperfektionisten das Unmögliche doch ermöglichen. Das Ganze lieber ohne Volk, oder es wenigstens auf Distanz halten.
Mit trennendem Verriegeln, Verrammeln, Verkleben und Verschwei�en ist den Mainzern Singen und Lachen vergangen. Kaum einer hat den Präsidenten gesehen. Bush im Mainzer Schloss mit Kanzler Schröder, Bushs Frau Laura zum lächelnden Pflichtprogramm im Museum. "Wiederannäherung im Mainzer Schloss" betitelt Mainz Online die tollen neun Stunden. Kurz zusammengefasst: vertrauensvolle Zusammenarbeit, harmonischer Verlauf - die Demonstranten hat Bush vermutlich nicht gesehen -, Vereinbarung, Bekräftigung. Am Rande noch ein viertel Stündchen mit CDU-Chefin Merkel. Aus der Zauber! Bush entschwindet.
Trennendes auch in Kastel. "Die Schneise für Bushs Tross ist gezogen", schreibt der Wiesbadener Kurier. Sprengstoffspürhunde, Polizisten - ein Klecks in Grün. Nur die Grabsteine einer Firma durften stehen bleiben, wohl in der Annahme, dass niemand mit Grabsteinen nach Bush wirft.
Mainz im Ausnahmezustand
Doch noch was Lesenswertes in der Süddeutschen Zeitung: "Mainz im Ausnahmezustand: Der US-Präsident gibt sich die Ehre. Die einen freut's, die anderen wurmt's: 'Hail to the chief' oder 'Bush go home!'? Für die Fernsehsender ein gefundenes Fressen. Aber wie viel Fleisch ist dran am Besuch?" Zu Bushs Ablaufplan um 16.54 Uhr, schreibt die SZ, Bush rede derart jovial, scherzend, Petzaugen drückend, dass man meinen könnte, die Kameraden in Uniform kämen gerade von einem anstrengenden Kegelausflug und nicht aus dem Krieg im Irak.
Angeblich hat Laura Bush von der Stadt Mainz ein goldenes Anhängsel in Miniaturbuchform geschenkt bekommen - ein paar Millimeter gro�. Darin in mehreren Sprachen das "Vater unser". George W. Bush kann es brauchen, dem amtierenden Papst Johannes Paul II freut es bestimmt. Er hat sich ja von seiner Krankheit einigerma�en erholt und die Spekulanten erholungsreif gemacht. Es gibt sogar ein päpstliches Buch, das beweist, dass der Papst nicht nur Papst sondern auch Poet und Philosoph ist.
René Descartes und der Papst
Die Welt bespricht das Buch "Erinnerung und Identität" ausführlich. Die Frage der Abtreibung sei kein Randthema der katholischen Kirche, schreibt Paul Badde über das Buch, sondern betreffe das christliche Menschen- und Gottesbild in seinem Kern. Dennoch sei diese Frage nicht sein Hauptthema. Letzteres sei eine reiche und dichte Summe seines Lebens und Denkens in Form eines Gesprächs mit Krzysztof Michalski und Józef Tischner, dem (im Jahr 2000 gestorbenen) Vordenker der "Solidarnosc". Dem Rezensenten entgeht ein wichtiger Punkt nicht: das Weltbild des Christentums oder besser gesagt des Papstes. Weder die Oktoberrevolution noch Hitler seien der erste Sündenfall in den Totalitarismus gewesen. Der Schlüssel des Grauens liege bei René Descartes (1596-1650) - "Ich denke, also bin ich". Ob der Papst mit diesem eingeengten Weltbild richtig liegt, muss der Leser selbst herausfinden. (Die Welt, Lesezeit ca. 3.30 min)
Frage nach dem Danach
Nochmals zum Papst, denn Cicero kann es nicht lassen, sich mit dem Nach-dem-Papst zu beschäftigen. Wahrscheinlich darum, damit die März-Nummer attraktiver wird. "Wer wird der nächste Papst?", lautet die einfache Frage. Ciceros Antwort ist dann reine Spekulation, ein Feuerwerk der Mutma�ungen. Nur nicht ganz so spannend wie die vergangene Wahl in Schleswig-Holstein. Aber die Antwort ist gleichzeitig einfach: Es gibt keinen eindeutigen Favoriten.
Warum? Möglich gemacht habe dies Johannes Paul II., indem er ein internationales Aufgebot an potenziellen Nachfolgern aus Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika ernannt habe, darunter scheinen zumindest zehn Männer zu sein, die die notwendigen Voraussetzungen für die Aufgabe mitbringen würden. Ein Italiener habe schlechte Chancen, weil es erstens zu wenig italienische Kardinäle gibt und weil 119 Wahlberechtigte aus 54 Ländern stammen. Und das Erfrischende daran: Das Durchschnittsalter der Wahlberechtigten liegt bei 71 Jahren. Wenn Sie, werte Leser, was über das Personalprofil eines neuen Papstes, über die Wahlmänner erfahren wollen, dann ist der Beitrag lesenswert. (Cicero, Lesezeit ca. 12 min)
