Ferenc Hoffmann ist tot - Interview mit Ephraim Kishon
Schade. Wieder mal ein geplatzter Jugendtraum. Nachdem ich in grauer Vorzeit erstmals über eines von Kishons Büchern voller Satiren stolperte und dieses mit einem stundenlangen Dauergrinsen im Gesicht ohne Pause verschlang, träumte ich davon, mich irgendwann mal mit diesem Mann zu unterhalten. Einfach so. �ber ganz belanglose Dinge. Ohne weltbewegende Fragen zu haben. Schlie�lich schrieb er ja auch über ganz belanglose Themen: Bürokratie, Einkommensteuer, Frauen. Aus unserem Gespräch wird in diesem Leben nichts mehr. Ephraim Kishon ist tot.
Trotz und gerade wegen seiner Vorliebe, Banalitäten satirisch auszuschlachten, haben Kishons Schriften wohl mehr als etliche staatstragende Reden dazu beigetragen, dass Nichtjuden Juden als "Menschen wie Du und ich" ansehen. Was soll man aber schreiben über einen Mann, der einen Gro�teil seiner Familie in Auschwitz verliert, selbst knapp dem Holocaust entkommt und dann seine persönliche Abrechnung mit den Nationalsozialisten mit einem Roman "Mein Kamm" versucht? Dass er mehr als 50 Bücher schrieb, die weltweit Auflagen von 42 Millionen erreichten, davon allein 32 Millionen in deutscher Sprache? Dass "Familiengeschichten" als das meistverkaufte hebräische Buch nach der Bibel gilt? Dass er auch als Filmregisseur arbeitete, was ihm zwei Golden-Globe- und zwei Oskar-Nominierungen einbrachte? Dies findet sich heute in nahezu jeder Tageszeitung.
Wer mehr als die obligatorischen Randdaten erfahren und noch einmal Kishons Wortwitz lebendig werden lassen möchte, dem sei ein Interview empfohlen, das Kishon vor knapp zwei Jahren auf Bayern alpha gab. Neben ganz und gar nicht Banalem ("Ich bin ein �berlebender des Holocaust, und es kommt mir manchmal vor wie eine gerechte Rache, dass die Enkelkinder und Urenkel der Nazis Schlange stehen, damit ich ein Buch für sie signiere.") finden sich die typischen Schlagfertigkeiten. Frage Interviewer: "Sie haben so viele Satiren gegen die Einkommenssteuer geschrieben: Ich glaube, damit haben Sie auch eine ganze Menge verdient." Antwort Kishon: "Nicht ich, der Finanzminister." (BR-alpha, Lesezeit: ziemlich lang, aber gut investiert)
Bismarck und Flipchart - das Jahr der militanten Bilder
Eine Gesellschaft, die für sich in Anspruch nimmt, alphabetisiert zu sein, sollte hin und wieder die Bedeutung dieser Bezeichnung kritisch hinterfragen. Genügt es heutzutage noch, darunter nur die Fähigkeit zu verstehen, Schrifttext einigerma�en stotterfrei zu entziffern und diesem Informationen zu entnehmen? Oder gehört nicht mehr als das dazu, um sich nicht Analphabet nennen zu müssen? Zum Beispiel, auch Bilder "entziffern" zu können? (Schlie�lich kommt Bildung von Bild. Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Zeitung!)
Fragen wie diese scheinen in einer von Bildern durchtränkten Welt keinesfalls unberechtigt, dennoch: allenfalls Medienpädagogen oder Kunstgeschichtsstudenten schlagen sich damit herum. Dass sich Politikwissenschaftler dem widmen, scheint noch keine Selbstverständlichkeit zu sein. Benjamin Burkhardt tut es und erklärt uns Unkundigen, was Arbeitskampf mit Napoleon und Flipchart mit Bismarck zu tun hat. (Telepolis, Lesezeit ca. 5 min)
Kind oder nicht Kind? - mehr als eine Frage
Soll der Staat weiterhin oder besser dafür Sorge tragen, dass Kindergärten und Schulen entstehen, obwohl es doch weniger Kinder gibt? Oder andersrum: Soll ich Kinder in die Welt setzen, wenn abzusehen ist, dass es in meiner Gegend nicht genügend Einrichtungen zu deren Erziehung und Bildung gibt? Henne oder Ei? Die alte Frage: Was ist Ursache und was ist Wirkung? Oder gibt es noch ganz andere Gründe für sinkende Kinderzahlen und was wäre dagegen zu tun?
Frank Lübberding setzt sich damit auseinander und kommt zu dem Schluss: Es gibt "... zu den Optionen Transferzahlungen und Kinderbetreuung keine Alternative. Aber man kann natürlich auch weiter Motivforschung betreiben. Vielleicht lesen die Leute auch einfach zu viel im Bett." (tageszeitung, Lesezeit ca. 4 min)
Braut als Schnäppchen - wo es preiswert Frauen gibt
"Die Mutter zog ihren letzten Trumpf: Sie zählte ihr Geld auf den Tisch, 10.000 Mark. 'Das ist alles, was ich habe. Wenn Sie mir Ihre Tochter geben, können Sie das Geld gleich behalten.' Der Vater schwieg lange. Dann sagte er, er habe nur Gutes über diesen jungen Mann gehört, und es sei eine Ehre, wenn er seine Tochter zur Frau nähme. Er griff nach dem Geld und steckte es in seine Hosentasche."
Necla Kelek lehrt Migrationssoziologie an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialpädagogik in Hamburg. Bei Kiepenheuer veröffentlichte sie "Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland". Die Zeit bringt einen Auszug daraus. (Die Zeit, Lesezeit ca. 6 min)
