Das ZDF berichtet über das Bildblog und im Spiegel erscheint ein Artikel über Weblogs allgemein. In den letzten Tagen gab es noch etliche weitere Texte über Blogs, zum Beispiel in der taz.

Michael Genova vom Dienstraum stellt auch gleich fest, dass Weblogs vor drei Monaten "mehrheitlich journalistisch noch irrelevant" waren. Das hatte zumindest Mathias Müller von Blumencron (Chefredakteur bei Spiegel Online) Thomas Mrazek von Onlinejournalismus.de in den Block diktiert.

Timur Vermes scheint in der aktuellen Ausgabe des Magazins Insight diese Einschätzung bestätigen zu wollen. Er sieht sich ein paar Blogs an, von denen er bis auf einige Ausnahmen enttäuscht ist. Das Problem bestünde darin, dass nur die wenigsten Weblogs einen guten Inhalt hätten. Mit dieser Einschätzung wird Timur Vermes gar nicht so falsch liegen. Aber das lässt sich ebenfalls von Tageszeitungen oder TV-Sendern sagen. Die Relevanz der Mehrheit der Zeitungen könnte ebenso kritisch hinterfragt werden. Es sind nur einige wenige Publikationen, die die Schlagzeilen beherrschen.

Aber wer Weblogs analysieren will, sollte dafür auch spezifisch auf Weblogs zugeschnittene Ma�stäbe der Beurteilung anwenden. Die meisten Artikel zu Weblogs thematisieren die Besonderheiten viel zu wenig. Dass die Mehrzahl aller Weblogs journalistisch eher irrelevant ist und bleiben wird, dürfte kaum bezweifelt werden. Es wird ein paar Weblogs geben, die eine besondere Beliebtheit erreichen und sich dadurch von anderen, weniger häufig gelesenen Weblogs unterscheiden werden. Die Auflage der verschiedenen Tageszeitungen, vom kleinen Lokalblättchen bis zu den gro�en überregionalen Zeitungen variiert ebenfalls sehr stark. Da gibt es keinen Unterschied.

Weblogs haben allerdings einen hervorzuhebenden Unterschied zu traditionellen Medien. Sie sind alle mehr oder weniger gut untereinander verknüpft und kommunizieren miteinander. Die Aussage, dass die Mehrheit der Weblogs irrelevant ist, ist dann völlig uninteressant. Spannend wird es aber dann, wenn man sich die Gesamtheit der Weblogs genauer ansieht. In der Gesamtheit gibt es keine Irrelevanz. Jeder kann publizieren, jeder kann seine Meinung veröffentlichen, jeder kann sich an Diskussionen beteiligen.

Etwas pathetisch ausgedrückt lässt sich das so formulieren: Die Menschen bekommen durch das Internet ihre Stimmen zurück, die ihnen die Massenmedien genommen haben. Wo Massenmedien Irrelevanz erzeugen und die Menschen zu Objekten machen, sind es Weblogs, in denen sich die Menschen ihre Individualität zurückerobern und die Bedeutung des Subjekts betonen.