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Presseschau

Hier finden Sie täglich eine kleine Anzahl beachtenswerter Artikel, in der Hoffnung, dass unsere Textempfehlungen etwas zur Steigerung der Empfindungsfähigkeit der Menschen untereinander beitragen.

Logo Das Internet nimmt Gestalt an

Eintrag von Robert John, 7. Mai 2006

Die Breitbandzugänge zum Internet werden immer schneller. Gleichzeitig gibt es Begehrlichkeiten der Telefon- und Kabelanbieter, für die Durchleitung der Daten von den Inhaltsanbietern (wie zum Beispiel Pickings.de) Geld verlangen zu wollen. Wer sich weigert, könnte zukünftig mit �bertragungsproblemen konfrontiert werden, so dass die Leser bzw. Nutzer nur noch schwer erreichbar wären.

Die Debatte in den USA über die Netz-Neutralität verdeutlicht, dass damit das Netz geteilt werden könnte; auf der einen Seite das schnelle Netz mit Inhalten, für die die Anbieter zahlen oder die den Netzbetreibern zupass kommen, auf der anderen Seite das "öffentliche" Internet. Jeffrey Chester schreibt dazu im Alternet (engl., 27.04.2006), dass diese so genannte öffentliche Leitung das �quivalent zu einer unbefestigten Stra�e sei, die von der Mehrheit der �ffentlichkeit leicht marginalisiert würde, da sie die asphaltierten Stra�en, die schnellen und effizienten Leitungen bevorzugen wird.

Wer trotzdem immer noch gro�e Hoffnungen mit dem Internet verbindet, gar an mögliche gesellschaftliche Umbrüche glaubt, bekommt von Rainer Fischbach mit dem Buch "Mythos Netz" den Spiegel vorgehalten. Darin befasst er sich kritisch mit der mehrheitlich positiv belegten Netz-Metapher. Es zeige sich ein regelrechter Netzenthusiasmus, der von der wenig reflektierten Vorstellung einer �berwindung von Raum und Zeit getragen sei. Tatsächlich könne davon aber keine Rede sein.

Das Internet überwinde keine Strukturen, sondern festige im Gegenteil die zerstörerischen Tendenzen unserer Zeit, die Polarisierung der Lebensbedingungen, die Verwandlung aller Beziehungen in Warenbeziehungen. "Der Netzenthusiasmus mit seinen destruktiven Implikationen ist der klägliche Versuch, die Menschheit zu vereinen, ohne das Trennende zu beseitigen, ohne das Ungleichgewicht der Macht, das Ausgeliefertsein, das massenhafte Elend und die schreiende Ungerechtigkeit aufzuheben", so Rainer Fischbach.

Rainer Fischbach: Mythos Netz. Kommunikation jenseits von Raum und Zeit? Rotpunktverlag, Zürich, 2005

Weitere Informationen zum Buch finden sich auf der Website von Rainer Fischbach.

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